Hannah Schenk
Foto: © Ronja Erdmann

Hannah Schenk

Hannah Schenk liebt Tiere und Bücher, seit sie denken kann. Nach ihrem Studium der Germanistik und Informatik widmete sie sich ganz der Welt der Kinderliteratur und hat seither zahlreiche Hörbuch- und Bilderbuchprojekte konzipiert, begleitet und getextet. Das Thema Stadttauben liegt ihr besonders am Herzen.

Kinderbücher

Bilderbücher von Hannah Schenk

Im Interview

»Tom Tauber. Ratte der Lüfte« ist dein erstes veröffentlichtes Bilderbuch. Wie fühlt es sich an, wenn eine Geschichte plötzlich zum Buch wird?

Ich freue mich sehr darüber, dass ich mit Tom Taubers Geschichte einen kleinen Beitrag dazu leisten kann, über Stadttauben aufzuklären und für mehr Rücksicht und Verständnis zu werben. Gleichzeitig fühlt es sich immer noch unwirklich an, meinen Namen auf dem Cover zu sehen. Daran muss ich mich noch gewöhnen.

Tauben – insbesondere Stadttauben – sind in der Regel keine großen Sympathieträger. Trotzdem hast du dich für eine Taube als Protagonisten entschieden. Hast du einen besonderen persönlichen Bezug zu den Tieren?

In meiner Kindheit gab es zwei Schlüsselbegegnungen mit Tauben: einen Besuch im Taubenschlag eines Bekannten, der bei mir ein mulmiges Gefühl hinterließ, und eine verletzte Taube, die ich von einem Draht befreite, der sich eng um ihr Bein gewickelt hatte – eine häufige Verletzung bei Stadttauben. Obwohl ich Tauben schon damals faszinierend und schützenswert fand, habe ich, wie die meisten Menschen, ihre Omnipräsenz in Großstädten zunächst nicht hinterfragt. Verletzte und kranke Tauben taten mir leid, aber ich machte mir keine Gedanken über die komplexen Ursachen ihrer Probleme. Erst während des Studiums erfuhr ich, dass es sich bei Stadttauben um hochgezüchtete Haustiere handelt, die in der Folge zu häufig brüten und die Nähe der Menschen suchen. Dass sie unsere Städte bewohnen, ist also die Folge menschlichen Handelns – sie dafür verantwortlich zu machen, daher unfair und paradox. Über diesen Sachverhalt aufzuklären und tiergerechte Lösungen aufzuzeigen, ist seitdem ein Herzensanliegen für mich.

Nicht genug mit den Tauben, zusätzlich spielen auch noch Ratten – ebenfalls nicht gerade Lieblingstiere der meisten Menschen – eine wichtige Rolle in Toms Geschichte. Was hat es damit auf sich?

In erster Linie fanden die Ratten durch das Schimpfwort »Ratten der Lüfte« ihren Weg ins Buch. Das war eine Assoziation zu Tauben, die ich für die Geschichte gerne verfolgen wollte. Zugleich liebe ich Ratten als die wahnsinnig intelligenten und sozialen Tiere, die sie sind. Natürlich ist mir bewusst, dass Ratten und Menschen immer wieder um denselben Lebensraum konkurrieren. Allerdings sind Ratten anders als Stadttauben nicht hochgezüchtet und vermehren sich daher nur bei ausreichendem Nahrungsangebot. Das Unterlassen einer Fütterung und die Sicherung von Abfällen und Lebensmitteln reicht oft schon, um Überpopulationen zu vermeiden. Und ganz wichtig: Auch wenn viele Menschen über einen Rattenbesuch nicht entzückt sind, eine Gefahr für die Gesundheit sind die Nager heutzutage in der Regel nicht mehr.