Lesen lernen mit Legasthenie: Die besten Methoden für Kinder
Legasthenie betrifft etwa 5 bis 8 Prozent aller Kinder — und macht das Lesen lernen zu einer besonderen Herausforderung. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Methoden und Übungen können Kinder mit LRS erfolgreich lesen lernen. Wir zeigen dir, welche Förderansätze wirklich helfen und wie du dein Kind optimal unterstützt.

Mit dem Finger die Zeile verfolgen — eine bewährte Strategie beim Lesen lernen mit Legasthenie.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Was ist Legasthenie? Ursachen und Anzeichen
- 2. Früherkennung: Wann sollten Eltern aufmerksam werden?
- 3. Die besten Methoden zum Lesen lernen bei Legasthenie
- 4. Bewährte Übungen für zu Hause
- 5. Digitale Helfer: Apps und Lernprogramme bei LRS
- 6. Fördermethoden im Vergleich
- 7. Neun Materialien und Hilfsmittel
- 8. Selbstvertrauen stärken: Der wichtigste Erfolgsfaktor
- 9. Professionelle Hilfe: Wann zum Lerntherapeuten?
- 10. Häufige Fragen zu Legasthenie und Lesen lernen
Lesehilfen, die wirklich helfen
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Vorlesen lassen
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Leseniveau einstellen
Das Leseniveau kann individuell angepasst werden — passend zum Entwicklungsstand des Kindes.
Geräusche entdecken
Kinder tippen auf Tiere, Gegenstände und Szenen und hören passende Geräusche und Entdecker-Inhalte.
Wortmarkierung beim Vorlesen
Jedes Wort wird beim Vorlesen markiert — Kinder verbinden Schrift und Sprache auf natürliche Weise.
Tempo anpassen
Die Vorlesegeschwindigkeit kann eingestellt werden — schneller oder langsamer, wie es zum Kind passt.
Einzelne Wörter vorlesen
Kinder können jedes einzelne Wort antippen und es sich einzeln vorlesen lassen.
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Logopädin & Mama
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1. Was ist Legasthenie? Ursachen und Anzeichen
Legasthenie — auch Lese-Rechtschreib-Störung genannt — ist eine neurologisch bedingte Lernschwierigkeit, die das Erlernen des Lesens und Schreibens betrifft. Etwa 5 bis 8 Prozent aller Kinder in Deutschland sind davon betroffen. Wichtig zu wissen: Legasthenie hat nichts mit der Intelligenz eines Kindes zu tun. Betroffene Kinder sind genauso klug wie ihre Altersgenossen — sie verarbeiten geschriebene Sprache lediglich anders.
Die Ursachen sind überwiegend genetisch bedingt. Wenn ein Elternteil Legasthenie hat, liegt die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass auch das Kind betroffen ist. Bei Legasthenie arbeiten bestimmte Hirnareale, die für die Sprachverarbeitung zuständig sind, anders – das ist heute breit anerkannt und erklärt, warum betroffene Kinder besonders beim Zusammenziehen von Lauten zu Wörtern (der sogenannten Synthese) Schwierigkeiten haben.
Typische Anzeichen bei Grundschulkindern sind: langsames, stockendes Lesen, häufiges Vertauschen ähnlicher Buchstaben (b/d, p/q), Schwierigkeiten beim Zusammenlauten und ein auffälliges Vermeiden von Lesesituationen. Je früher diese Anzeichen erkannt werden, desto besser kann das Kind unterstützt werden.
2. Früherkennung: Wann sollten Eltern aufmerksam werden?
Schon im Vorschulalter gibt es Hinweise, die auf eine mögliche Legasthenie hindeuten können. Kinder, die Schwierigkeiten beim Reimen haben, sich Lieder oder Abzählverse schlecht merken können oder beim Silbenklatschen unsicher sind, zeigen möglicherweise eine eingeschränkte phonologische Bewusstheit — ein wichtiger Vorläufer der Lesekompetenz.
In der ersten Klasse wird es deutlicher: Wenn ein Kind nach mehreren Monaten Leseunterricht noch keine einfachen Silben zusammenziehen kann, häufig rät statt liest oder einzelne Buchstaben immer wieder verwechselt, sollten Eltern das Gespräch mit der Lehrkraft suchen. Eine gesicherte Diagnose ist in der Regel ab der zweiten Klasse möglich — gestellt wird sie durch einen Kinder- und Jugendpsychologen oder eine spezialisierte Beratungsstelle.
Wichtig: Eine frühe Diagnose ist kein Stempel, sondern ein Schlüssel. Sie öffnet Türen zu gezielter Förderung, Nachteilsausgleich in der Schule und dem Verständnis, das betroffene Kinder dringend brauchen, um ihr Selbstvertrauen nicht zu verlieren.
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3. Die besten Methoden zum Lesen lernen bei Legasthenie
Nicht jede Lesemethode eignet sich gleich gut für Kinder mit Legasthenie. Die Forschung zeigt deutlich: Methoden, die an der phonologischen Bewusstheit ansetzen und multisensorisch arbeiten, erzielen die besten Ergebnisse. Das bedeutet, dass das Kind Buchstaben und Wörter nicht nur sieht, sondern auch hört, spricht und im besten Fall sogar fühlt oder mit Bewegung verknüpft.
Die Silbenmethode
Die Silbenmethode gilt als eine der effektivsten Strategien bei Legasthenie. Dabei werden Wörter nicht buchstabenweise, sondern in Silben gelesen. Das erleichtert das Zusammenziehen erheblich, weil Silben natürliche Spracheinheiten sind, die das Gehirn leichter verarbeiten kann. Silbenteppiche — Übungsblätter mit Reihen von Silben — trainieren das automatisierte Erkennen von Silbenmustern.
Tandemlesen
Beim Tandemlesen liest ein Erwachsener gemeinsam mit dem Kind. Beide lesen denselben Text gleichzeitig laut vor, wobei der Erwachsene das Tempo vorgibt und das Kind mitlesen kann. Sobald das Kind sicherer wird, kann der Erwachsene leiser werden oder kurze Abschnitte dem Kind alleine überlassen. Diese Methode stärkt die Leseflüssigkeit und nimmt dem Kind die Angst vor dem Lesen.
Blitzlesen und Wortschatzarbeit
Beim Blitzlesen werden häufige Wörter auf Karten geschrieben und dem Kind kurz gezeigt. Das Ziel: Das Kind soll das Wort als Ganzes erkennen, ohne es buchstabenweise zusammensetzen zu müssen. Diese Methode erweitert den Sichtwortschatz — also den Vorrat an Wörtern, die automatisch erkannt werden. Ein größerer Sichtwortschatz macht das Lesen schneller und flüssiger.
Multisensorisches Lernen
Kinder mit Legasthenie profitieren besonders von Ansätzen, die mehrere Sinne gleichzeitig ansprechen. Buchstaben in Sand schreiben, mit Knete formen, auf dem Rücken nachzeichnen oder zu Bewegungen sprechen — all das hilft dem Gehirn, stabile Verbindungen zwischen Buchstaben und Lauten aufzubauen. Die Forschung bestätigt: Je mehr Sinneskanäle beteiligt sind, desto besser verankert sich das Gelernte.
4. Bewährte Übungen für zu Hause
Eltern können viel tun, um ihr Kind mit Legasthenie beim Lesen lernen zu unterstützen. Entscheidend ist dabei: Regelmäßigkeit schlägt Dauer. Zehn Minuten konzentriertes Üben pro Tag bringen mehr als eine Stunde am Wochenende. Und die Atmosphäre muss stimmen — Lernen unter Druck blockiert das Gehirn, spielerische Leichtigkeit öffnet es.
Eine bewährte Übungsstruktur für den Alltag sieht so aus: Beginne mit 3 Minuten Silben lesen (Silbenteppich oder Silbenstraße), dann 5 Minuten gemeinsames Lesen eines kurzen Textes (Tandemlesen) und zum Abschluss 2 Minuten Blitzlesen mit Wortkarten. Dieser Dreiklang trainiert die phonologische Verarbeitung, die Leseflüssigkeit und den Sichtwortschatz gleichzeitig.
Weitere wirksame Alltagsübungen: Gemeinsam Schilder und Plakate auf der Straße lesen, kurze Nachrichten oder Einkaufszettel schreiben lassen, Reimspiele spielen oder Wörter nach Anfangsbuchstaben sortieren. All diese Aktivitäten trainieren die Lese- und Schreibkompetenz ganz nebenbei — ohne Übungscharakter.
Praxis-Tipp: Interaktives Lesen bei Legasthenie

Interaktive Lesekarten wie „Luna, die Löwin mit der leisen Stimme" bieten eine besondere Chance für Kinder mit Legasthenie: Die Wort-für-Wort-Markierung in der App hilft beim Mitlesen, das Lesetempo lässt sich individuell anpassen und die multisensorische Gestaltung (physische Karte plus digitale Geschichte) spricht mehrere Sinne gleichzeitig an — genau das, was Kinder mit LRS brauchen.
5. Digitale Helfer: Apps und Lernprogramme bei LRS
Digitale Lernwerkzeuge können die Förderung bei Legasthenie sinnvoll ergänzen — sie ersetzen aber keine professionelle Therapie. Ihr großer Vorteil: Sie arbeiten geduldig, passen sich dem individuellen Tempo des Kindes an und bieten sofortiges Feedback. Für Kinder, die in der Schule bereits Frustration erlebt haben, kann das motivierend wirken.
Worauf du bei der Auswahl achten solltest: Gute LRS-Apps setzen auf evidenzbasierte Methoden (Silbentraining, Lautanalyse, Wortschatzaufbau), bieten verschiedene Schwierigkeitsstufen, arbeiten ohne Zeitdruck und belohnen Fortschritte, ohne Fehler zu bestrafen. Achte auch darauf, dass die App offline nutzbar ist — regelmäßiges Üben gelingt am besten, wenn es nicht von der Internetverbindung abhängt.
Interaktive Leseformate, die physische und digitale Elemente verbinden, sind besonders vielversprechend: Das Kind hält ein reales Produkt in der Hand, aktiviert darüber eine digitale Geschichte und kann diese mit individualisierbarer Vorlesefunktion und Lesegeschwindigkeit nutzen. Diese Verbindung aus haptischem Erleben und digitaler Unterstützung entspricht genau dem multisensorischen Ansatz, der bei Legasthenie empfohlen wird.
6. Fördermethoden im Vergleich
Nicht jede Methode passt zu jedem Kind. Die folgende Übersicht hilft dir, die richtige Förderstrategie für dein Kind zu finden — abgestimmt auf Alter, Zeitaufwand und die jeweilige Stärke der Methode.
| Methode | Alter | Zeitaufwand | Kosten | Wirksamkeit | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|
| Silbenmethode | 6–10 J. | 15 Min/Tag | kostenlos | Hoch | Phonologisch fundiert |
| Tandemlesen | 6–12 J. | 20 Min/Tag | kostenlos | Hoch | Gemeinsam mit Eltern |
| Blitzlesen | 7–12 J. | 10 Min/Tag | kostenlos | Mittel-Hoch | Sichtwortschatz aufbauen |
| Lerntherapie | 6–14 J. | 1x/Woche 60 Min | 50–100 €/h | Sehr hoch | Individuell zugeschnitten |
| Lern-Apps | 5–10 J. | 15 Min/Tag | 0–15 €/Monat | Mittel | Spielerisch und motivierend |
| Interaktive Lesekarten | 3–8 J. | 10 Min/Tag | einmalig ab 30 € | Hoch | Multisensorisch (Karte + App) |
7. Neun Materialien und Hilfsmittel bei Legasthenie
Von bewährten Klassikern bis zu innovativen Formaten — diese Materialien unterstützen Kinder mit Legasthenie nachweislich beim Lesen lernen.
Silbenteppiche und Silbenstraßen
Ab 6 Jahren · Übungsblätter
Die Basisübung schlechthin: Reihen von Silben, die das Kind laut vorliest. Trainiert die automatische Silbenerkennung und bildet die Grundlage für flüssiges Lesen. Kostenlos als Download verfügbar.
Tandemlesen-Texte
Ab 6 Jahren · Lesetexte für Eltern und Kind
Speziell aufbereitete Texte für das gemeinsame Lesen. Das Kind liest mit einem Erwachsenen synchron — das stärkt Leseflüssigkeit und nimmt den Druck. Besonders wirksam bei Leseangst.
Holzbuchstaben und Tastbuchstaben
Ab 4 Jahren · Lernmaterial
Buchstaben zum Anfassen und Fühlen. Kinder mit Legasthenie profitieren enorm davon, Buchstabenformen haptisch zu erleben. Sandpapierbuchstaben oder Holzlettern machen abstrakte Zeichen greifbar.
Lese-Lineal und Lesefenster
Ab 6 Jahren · Lesehilfe
Ein einfaches, aber extrem wirksames Hilfsmittel: Ein farbiges Lineal oder ein Fenster aus Pappe, das nur die aktuelle Zeile zeigt. Reduziert visuelle Ablenkung und hilft dem Kind, die Zeile nicht zu verlieren.
Hörbücher zum Mitlesen
Ab 5 Jahren · Audio + Text
Das Kind hört die Geschichte und verfolgt gleichzeitig den Text mit den Augen. Das trainiert die Verbindung zwischen gehörtem und geschriebenem Wort — eine Kernherausforderung bei Legasthenie.
Laut-Buchstaben-Zuordnungsspiele
Ab 5 Jahren · Lernspiel
Memory-ähnliche Spiele, bei denen das Kind einen Laut hört und den passenden Buchstaben finden muss. Stärkt die phonologische Bewusstheit — den wichtigsten Baustein für das Lesen lernen.
Bewegungs-Lese-Spiele
Ab 5 Jahren · Aktivität
Buchstaben hüpfen, Wörter laufen, Silben klatschen — Bewegung aktiviert zusätzliche Hirnareale und verankert das Gelernte tiefer. Besonders geeignet für Kinder, die bei Schreibtischübungen abschalten.
Selbst gestaltete Lese-Übungshefte
Ab 6 Jahren · Kreativprojekt
Das Kind gestaltet sein eigenes Leseheft zu einem Lieblingsthema (Dinos, Pferde, Fußball). Selbst geschriebene und illustrierte Texte liest es motivierter als Schulbuchauszüge — weil der persönliche Bezug da ist.
Erstlesebücher mit kurzen Sätzen und großer Schrift
Ab 6 Jahren · Bücher
Bücher mit Silbenfärbung, großer Schrift und kurzen Sätzen sind speziell für leseschwache Kinder konzipiert. Sie bieten Erfolgserlebnisse durch machbare Textmengen und altersgerechte Geschichten.
8. Selbstvertrauen stärken: Der wichtigste Erfolgsfaktor
Bei aller Diskussion über Methoden und Materialien wird ein Faktor häufig unterschätzt: das Selbstvertrauen des Kindes. Kinder mit Legasthenie erleben in der Schule oft Misserfolge, Vergleiche mit Mitschülern und manchmal auch Unverständnis. Das kann zu Leseangst, Vermeidungsverhalten und einem negativen Selbstbild führen — eine Abwärtsspirale, die schwerer zu durchbrechen ist als die Legasthenie selbst.
Deshalb ist die wichtigste Aufgabe der Eltern: Dem Kind das Gefühl zu geben, dass es wertvoll und fähig ist — unabhängig von seiner Leseleistung. Jeder kleine Fortschritt verdient Anerkennung. Fehler sind Lernchancen, keine Versagen. Und Legasthenie ist keine Schwäche, sondern eine andere Art, Sprache zu verarbeiten.
Konkret hilft es, dem Kind Bereiche zu zeigen, in denen es stark ist — Sport, Kreativität, soziale Kompetenz, räumliches Denken. Viele Menschen mit Legasthenie haben überdurchschnittliche Fähigkeiten in visuell-räumlichem Denken und Kreativität. Diese Stärken sichtbar zu machen, gibt dem Kind ein stabiles Fundament, von dem aus es die Leseherausforderung angehen kann.

Interaktive Lesekarten verbinden haptisches Erleben mit digitalen Geschichten — ideal für Kinder, die multisensorisch lernen.
Was Eltern und Experten sagen

Michael T.
Tester
„Lotta (5) lässt sich die Geschichten über die Vorlesefunktion erzählen und verfolgt jedes Wort auf dem Bildschirm. Ben (6) stellt sich die Geschwindigkeit selbst ein und liest schon viele Wörter alleine mit. Die Lesehilfen geben beiden genau die Unterstützung, die sie brauchen."

Saskia
Logopädin, Frühpädagogin & Mama
„Ich habe fleißig mit meinen Kids im Kindergarten getestet und das Konzept ist mega! Es gibt schon Favoritengeschichten inklusive Geräusche. Das Schönste: Es ist keine 'Eintagsfliege'! Bei den Fluxiekarten gibt es immer was Neues zu entdecken. Ich bin schwer begeistert!"

Prof. Dr. Sebastian Kortmann
Innovation Management
„Aus innovationstheoretischer Sicht ist Fluxie ein spannendes Beispiel für kindgerechte Mediennutzung in einem hybriden Geschäftsmodell: Die Nutzung von physischen Karten kombiniert mit einer digitalen App ist nachhaltig und ein durchdachter Ansatz, der Kindern beim Lernen hilft."
9. Professionelle Hilfe: Wann zum Lerntherapeuten?
Elterliche Förderung zu Hause ist wertvoll und wichtig — aber sie hat Grenzen. Wenn das Kind trotz regelmäßiger Übung über mehrere Monate keine Fortschritte macht, zunehmend unter der Situation leidet oder Schul- und Prüfungsangst entwickelt, ist professionelle Hilfe angeraten.
Ein integrativer Lerntherapeut (der Goldstandard bei LRS-Förderung) arbeitet individuell mit dem Kind, setzt an den spezifischen Schwächen an und stärkt gleichzeitig das Selbstvertrauen. Die Kosten liegen bei 50 bis 100 Euro pro Sitzung. Wichtig: Unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt das Jugendamt die Kosten vollständig — nämlich dann, wenn eine drohende seelische Behinderung festgestellt wird (nach §35a SGB VIII).
Der erste Schritt ist in der Regel ein Gespräch mit der Klassenlehrkraft, gefolgt von einer diagnostischen Abklärung beim Kinder- und Jugendpsychologen. Von dort aus werden die passenden Fördermaßnahmen eingeleitet. Je früher, desto besser — denn jede Woche ohne Förderung vergrößert den Rückstand und kann das Selbstbild des Kindes belasten.
10. Häufige Fragen zu Legasthenie und Lesen lernen
Was ist der Unterschied zwischen Legasthenie und LRS?
Legasthenie ist eine genetisch bedingte, dauerhafte Lese-Rechtschreib-Störung, während LRS (Lese-Rechtschreib-Schwäche) häufig durch äußere Faktoren wie mangelnde Übung, Schulwechsel oder emotionale Belastungen verursacht wird und sich mit gezielter Förderung meist vollständig beheben lässt. In der Praxis werden beide Begriffe oft synonym verwendet, die Unterscheidung ist jedoch wichtig für die passende Förderung.
Ab welchem Alter kann Legasthenie festgestellt werden?
Eine verlässliche Diagnose ist in der Regel ab der zweiten Klasse möglich, also wenn das Kind etwa 7 bis 8 Jahre alt ist. Erste Hinweise wie Schwierigkeiten beim Reimen, beim Erkennen von Anfangsbuchstaben oder beim Zusammenziehen von Lauten können aber schon im Vorschulalter auffallen.
Welche Übungen helfen bei Legasthenie am meisten?
Die wirksamsten Übungen setzen an der phonologischen Bewusstheit an: Silbenklatschen, Lautanalyse und Reimübungen. Beim Lesen selbst haben sich Silbenlesen, Tandemlesen (gemeinsam mit einem Erwachsenen) und Blitzlesen (schnelles Worterkennen) als besonders effektiv erwiesen. Wichtig ist die Regelmäßigkeit — 10 bis 15 Minuten täglich bringen mehr als eine Stunde pro Woche.
Was kostet eine Legasthenie-Therapie?
Eine professionelle Lerntherapie kostet in der Regel zwischen 50 und 100 Euro pro Sitzung (60 Minuten), meist einmal wöchentlich. Je nach Bundesland und Schweregrad kann die Therapie über das Jugendamt nach §35a SGB VIII finanziert werden. Die Kosten werden dann vollständig übernommen, wenn eine seelische Behinderung droht.
Wie lange dauert es, bis sich Fortschritte zeigen?
Bei regelmäßiger Förderung zeigen sich erste Fortschritte oft schon nach 4 bis 8 Wochen. Deutliche Verbesserungen in der Lesekompetenz brauchen in der Regel 6 bis 12 Monate kontinuierliche Übung. Wichtig: Legasthenie verschwindet nicht vollständig, aber Kinder lernen Strategien, die ihnen das Lesen deutlich erleichtern.
Können Kinder mit Legasthenie normal lesen lernen?
Ja, Kinder mit Legasthenie können lesen lernen — sie brauchen dafür mehr Zeit, andere Methoden und viel Geduld. Mit der richtigen Förderung erreichen viele betroffene Kinder ein gutes Leseniveau. Berühmte Persönlichkeiten wie Albert Einstein oder Steven Spielberg hatten ebenfalls Legasthenie und waren dennoch äußerst erfolgreich.
Welche Apps sind für Kinder mit Legasthenie geeignet?
Bewährte Apps für Kinder mit Legasthenie sind unter anderem Lesetrainer-Apps mit Silbentrennung, Laut-Buchstaben-Zuordnungsspiele und interaktive Leseübungen. Besonders hilfreich sind Apps, die das Lesetempo individuell anpassen und multisensorisch arbeiten — also Sehen, Hören und Handeln verbinden.
Soll mein Kind trotz Legasthenie täglich lesen üben?
Ja, tägliches Üben ist bei Legasthenie besonders wichtig — aber in kleinen, motivierenden Einheiten von 10 bis 15 Minuten. Zwang und Druck sind kontraproduktiv. Besser: Gemeinsam lesen (Tandemlesen), Bücher zu Lieblingsthemen wählen und spielerische Formate wie Lesekarten oder interaktive Geschichten einsetzen, die Erfolgserlebnisse schaffen.
Interaktive Lesekarten von Fluxie
Physische Lesekarten, die mit einer kostenlosen App zum Leben erwachen — mit Wort-für-Wort-Markierung, individuell einstellbarer Lesegeschwindigkeit und liebevoll illustrierten Geschichten. Ideal für Kinder mit Legasthenie, die multisensorische Unterstützung beim Lesen lernen brauchen.
Fazit: Lesen lernen mit Legasthenie ist möglich — mit der richtigen Unterstützung
Legasthenie ist eine Herausforderung, aber kein Hindernis. Mit evidenzbasierten Methoden wie der Silbenmethode, Tandemlesen und multisensorischen Ansätzen können Kinder mit LRS erfolgreich lesen lernen. Der Schlüssel liegt in der Kombination aus regelmäßiger, spielerischer Übung, professioneller Begleitung bei Bedarf und vor allem: einem starken Selbstvertrauen.
Jedes Kind lernt in seinem eigenen Tempo. Als Eltern könnt ihr den Unterschied machen, indem ihr Geduld zeigt, Fortschritte feiert und eurem Kind die Werkzeuge an die Hand gebt, die zu seiner Art zu lernen passen. Ob Silbenteppiche, Tandemlesen oder interaktive Lesekarten — der wichtigste Schritt ist der erste.
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